
Schon im alten Rom wussten die Eliten, was das einfache Volk in einer großen Stadt verlangt, nämlich „Panem et Circenses“ , was auf Deutsch „Brot und Spiele“ bedeutet. Für das „Brot“, also das alltägliche Überleben, sorgt die SPÖ in Wien ja mit bekanntermaßen hohen Sozialleistungen und dem eher günstigen Wiener Gemeindebau. Dazu kommen ganz analog zum alten Rom aber auch teure Spiele und damit meinen wir nicht nur das bekannte Donauinselfest, sondern auch den Wiener Fussball. Die Stadt Wien und ihre Unternehmen spielen nämlich in der Bundesliga gewissermaßen mit und auch gegeneinander und das mit vielen Millionen Euro! Das Geld des Steuerzahlers fließt dabei direkt wie indirekt in gleich zwei Bundesligavereine: Zum SK Rapid sowie auch zur Wiener Austria! Das ist vielen Österreichern und so manchen Wienern vielleicht gar nicht so ganz klar! Deshalb wollen wir in diesem Artikel nun aufschlüsseln, wieviel Steuergeld die Stadt Wien und ihre Unternehmen gerade in den Wiener Fussball hineinbuttern!
Wenn beim Wiener Derby die Austria gegen Rapid Fussball spielt, dann stehen einander am Platz zwei Hauptsponsoren gegenüber. Da wäre auf der einen Seite die Wien Holding bei der Austria und auf der anderen Seite die Wien Energie (aka die Wiener Stadtwerke) bei Rapid. Beide sind im Besitz der Stadt Wien und damit des Steuerzahlers und beide überweisen Jahr für Millionen an „ihre“ Vereine. Bei der Wien Energie kann man das als Energiekonzern wohl noch rechtfertigen, aber warum die Wien Holding einen Fussballklub sponsert, ist da schon etwas fraglicher. Weil das Sponsorengeld aber sowohl bei Rapid wie der Austria nicht reicht, öffnet die Stadt Wien auch gerne so ihre Finanzschatulle: Mindestens 52 Millionen Euro staatliche Sonderförderung gab es in den letzten 20 Jahren für die zwei großen Vereine!
Die 26 Millionen Euro an Förderungen der Stadt Wien, die auch Rapid erhalten hat, hatte die Austria schon vor Jahren in andere Infrastrukturmaßnahmen gesteckt, etwa die 2008 eröffnete Osttribüne und die Akademie.
Es wird im sozialdemokratischen „roten“ Wien also offenbar seit jeher sehr großzügig mit Steuergeld umgegangen, wenn es darum geht, dass 22 Millionäre in grün oder violett einen Fussball im Kreis kicken. Anderswo sind die Hauptsponsoren private Unternehmen, im sozialdemokratisch regierten Wien sind es stadteigene. Während Red Bull sich einen Fussballklub in der Bundesliga leistet, sind es im Falle der Stadt Wien also gleich zwei. Niemand sollte sich deshalb über die Tatsache wundern, dass der letzte Langzeitpräsident der Wiener Austria der hochrangige SPÖ-Politiker und nunmehrige Chef des ÖGB Wolfgang Katzian (2007-2018) war. Beim SK Rapid sieht es gegenwärtig mit SPÖ-Urgestein Alexander Wrabetz nicht anders aus! Wir wollen deshalb dem Ganzen in diesem Artikel nun etwas auf den Grund gehen.

Die Verstaatlichung eines Fussballstadions aka Geld für die Austria
„Das Stadion der Austria soll ein Wiener Stadion bleiben – und die Betonung liegt ganz bewusst auf Wien. Als Stadt wollen wir vermeiden, dass ein Dritter darüber bestimmt, was im Stadion passiert und dass weder wir noch der Verein Einfluss darauf haben.“
Stadtrat Peter Hacker über den Kauf des Austria Stadions, zitiert nach https://www.derstandard.at/story/3000000248948/rettung-in-der-not-stadt-wien-kauft-austria-stadion
Die finanziell bereits eher klamme Stadt Wien hat nun also 2025 trotz 3,8 Milliarden Rekorddefizit das 39,4 Millionen Euro teure Stadion der Wiener Austria angekauft und damit „verstaatlicht“. Wäre ja auch furchtbar, wenn ein „Dritter“ aus der Privatwirtschaft über dieses Stadion „bestimmen könnte“, oder? Die finanziell klamme Wiener Austria wurde dabei aber erst vor ein paar Jahren von der Stadt Wien mit rund 26 Millionen Euro gefördert. So passiert übrigens auch beim Verein Rapid, wo wie in der Wiener Austria zufälligerweise ebenso SPÖ-Politiker in der Vereinsführung sitzen. Die Stadt Wien hat also rein durch vergangene Förderungen und den aktuellen Stadionkauf der Austria insgesamt mindestens rund 70 Millionen Euro überwiesen.
Die Stadt Wien muss nun als Vermieter jedenfalls hoffen, dass die Wiener Austria in der ersten Bundesliga bleibt. Sonst wird es nämlich wohl schwer werden, die Mieteinnahmen für dieses Stadion wieder einzutreiben, das die Stadt Wien ja selbst bei der Errichtung schon millionenschwer mitgefördert hat. Die privaten Investoren sind jedenfalls allesamt abgesprungen:
So eine attraktive Immobilie ist die Generali-Arena aber auch wieder nicht. Es gab mehrere Absagen. Immer wieder wähnte man sich kurz vor einem Abschluss. Immer wieder zogen sich vermeintliche Käufer zurück. Zumal der einzig mögliche Mieter finanziell im Schlamassel sitzt – und im schlimmsten Fall komplett wegbrechen könnte.
Nicht ganz nachvollziehbar ist dieser Stadiondeal auch für Experten, denn der Kaufpreis (39 Mio.) der Stadt Wien, wie der jährliche Pachtzins für die Austria (1,4 Millionen Euro) passen laut Expertin finanzpolitisch rein gar nicht zusammen:
Bei den derzeitigen Marktkonditionen würde ein Käufer für diesen Kaufpreis wesentlich höhere Mieteinnahmen erwarten. Die Stadt Wien setzt ja hier nicht wenig Steuergeld ein. Entweder die Stadt müsste für das Stadion weniger zahlen, oder die Miete müsste höher sein. Als Steuerzahlerin hinterfrage ich, ob die jetzige Pacht, ob also 3,5 Prozent Rendite in der derzeitigen Marktlage fremdüblich sind.
Birgit Kraml, Quelle: https://www.derstandard.at/story/3000000261892/expertin-kraml-zum-austria-stadiondeal-man-kann-sich-alles-schoenreden

Die roten Fussballbosse bei Austria und Rapid
Sowohl die Wiener Austria wie auch Rapid Wien haben prominente SPÖ-Politiker in ihrer Führungsriege, was niemanden verwundern sollte bei dieser finanziellen Abhängigkeit. Das erklärt dann vielleicht auch manche finanzielle Großzügigkeit der Stadt und auch Deals, wie den aktuellen Stadionkauf, zu günstigen Konditionen für den Verkäufer.
Der Präsident von Rapid Wien ist der Ex-SPÖ Politiker Alexander Wrabetz, der von der SPÖ lange Jahre im ORF als Generaldirektor installiert worden war. Seine neue Mission bei Rapid dürfte seiner alten Mission beim ORF ziemlich ähneln, nämlich mehr öffentliche Gelder für das Unternehmen aufzutreiben! Im Präsidium von Rapid sitzt zudem die Ex-SPÖ Nationalratsabgeordnete Nurten Yilmaz, die ihren Rapid-Freunden auch früher schon als Wiener Politikern gerne geholfen haben dürfte:
Hat eine Ex-SPÖ-Abgeordnete einem Rapid-Freund zur Gemeindewohnung verholfen?
https://www.falter.at/zeitung/20240116/ich-werde-dir-dann-bescheid-geben
Bei der Wiener Austria wiederum ist der Chef der stadteigenen Wien Holding, Kurt Gollowitzer, gegenwärtig der Präsident. Es regiert also ein direkter Untergebener des Wiener Bürgermeisters die Wiener Austria, dessen Unternehmen zudem auch der Hauptsponsor ist. Wie vereinbar das Präsidentenamt eines millionenschweren Fussballvereins mit jenem eines Chefs der Wien Holding ist, wäre da natürlich eine brennende Frage.
Finanziell ist die Austria jedenfalls seit Jahren in einer Krise. „Holding“ Boss Gollowitzer „regiert“ die Austria aber erst seit 2023, also muss es wohl auch an seinen Vorgängern liegen. Sein Vorvorgänger ist gar einer der prominentesten Sozialdemokraten der Republik. Austria-Präsident 2007-2018 war nämlich kein geringerer als Wolfgang Katzian. Katzian ist nicht nur der aktuelle Präsident des österreichischen Gewerkschaftsbundes, sondern war natürlich auch langjähriger SPÖ-Politiker und ist aktuell einer der Babler-Flüsterer. Zufall oder nicht: Seit 2019 muss der Klub regelmäßig Fortbestehensprognosen abliefern – und darlegen, wie man zahlungsfähig bleiben und sich selbständig sanieren will. Die „Gewerkschafts“-Ära des Wolfgang Katzian dürfte also ein schweres Erbe hinterlassen haben:
Finanzkrise: Die Wiener Austria lebt weit über ihre Verhältnisse. Die Violetten vermeldeten ein positives Jahresergebnis in der Höhe von 11,24 Millionen Euro. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Operativ schreibt man Jahr für Jahr enorme Verluste. Die Situation ist laut Insidern „dramatisch“
Wie schlecht die Austria in der Vergangenheit im Fussball gemanagt wurde, hat auch die Wiener Zeitung dokumentiert:
Es hakt am Geschäftsmodell: dem Fußballspiel. Die Fehlerkette ist lang. Ex-Spieler ohne Erfahrung stiegen in Spitzenpositionen auf. 2015 empfahl Vereinslegende Prohaska seinen Spezi Franz Wohlfahrt als Sportdirektor. „Die Überphilosophie ist, dass ich keine fixe Philosophie habe“, erklärte der Ex-Tormann. Die Geschäftsführung agierte ähnlich. Wohlfahrt wurde 2018 entlassen – kurz nachdem sein Vertrag um drei Jahre verlängert worden war. Schon davor wurde der Ex-Kicker Ivica Vastic unerwartet zum Trainer – auf Empfehlung des Austria-Sponsors Raimund Harreither, dessen Heiztechnik-Betrieb mit Vastic als Testimonial warb.
https://www.wienerzeitung.at/a/austria-wien-raus-aus-der-schuldenfalle
Fussball-Sponsoring der stadteigenen Betriebe: Mehr Steuergeld für „unsere Vereine“
Zu den offiziellen Förderungen der Stadt kommt dann natürlich auch das Sponsoring von stadteigenen Unternehmen der Stadt Wien. Die Wien Energie ist der Hauptsponsor von Rapid und überweist dafür mehr als drei Millionen Euro im Jahr (Stand 2019). Ähnlich wird es bei der Wien Holding und der Austria sein. Wenn es also zum Derby zwischen Rapid und der Austria kommt, dann wissen die Wiener zumindest eines: Ihr Steuergeld bzw. ihre Abgaben an diverse stadteigene Unternehmen spielen auf beiden Seiten mit. Verlieren kann hier also nur der Steuerzahler. Das traurige Fazit hat die Wiener Zeitung so zusammengefasst:
Europaweit pumpen zunehmend Investoren viel Geld in den Fußball. In Wien tut das die öffentliche Hand.
https://www.wienerzeitung.at/a/austria-wien-violettes-wunder-aus-steuergeld-
Das dürfte auch manche in der SPÖ Wien zunehmend nerven, denn der letzte Bundesligatriumphs eines der zwei Wiener Fussballvereine ist ja auch schon 12 Jahre her. Angesichts eines staatlichen Investments von nun wohl insgesamt über 100 Millionen Euro ist das eine eher maue Ausbeute für den Wiener Fussball.
Wiens Sportstadtrat Peter Hacker schien lange wenig offen für den Deal. „Koste es, was es wolle, wird es in Wien bei Sportstätten nicht geben“, erklärte er dem Kurier im April 2023. Seine Kritik: Außerhalb von Wien sei es „selbstverständlicher, um Geldgeber zu kämpfen“, in Wien dagegen werde „oft als erste und einzige Reaktion nach der Stadt geschrien“. Doch dann änderte sich sein Zugang. Mitte Dezember verkündete Hacker, dass die Stadt das Stadion kaufen wolle.
https://www.wienerzeitung.at/a/austria-wien-violettes-wunder-aus-steuergeld-
Fazit
Die Stadt Wien verpulvert also viel Steuergeld für den Wiener Fussball und trotzdem hat es in den letzten 20 Jahren nur zu vier Bundesliga-Titeln für die Wiener Vereine gereicht (2005,2006,2008,2013). SPÖ-Wien-Funktionäre und Untergebene aus den stadteigenen Betrieben halten auch personell im Management den Fussballbetrieb bei Rapid und bei der Austria aus den eigenen Reihen vielfach am Laufen. Da fragt man sich als Steuerzahler natürlich eines: Ist es die Aufgabe einer schwer defizitären Stadt wie Wien mit dutzenden Millionen zwei Fussballclubs finanziell zu unterstützen?
Sollten Rapid und die Austria das nicht aus eigener Warte mit privaten Sponsoren schaffen, wie die meisten anderen österreichischen Fussballclubs auch? – Vor allem da Wien ja doch einige große Konzerne beherbergt, anders als etwa so manche Provinzklubs. Reicht es nicht irgendwann einmal, wenn die stadteigenen Unternehmen so ihre Erträge für den Steuerzahler für hochbezahlte Fussballstars verpulvern, die seit über 10 Jahren zudem nichts mehr gewinnen können? Muss der Steuerzahler für gleich zwei Wiener Vereine aufkommen? Diesen Fragen stellte sich nun auch ein lokaler SPÖ-Politiker, der unter der Bedingung der Anonymität Folgendes kundtat:
„Ich bin eigentlich dagegen, dass die Stadt Fußballvereine rettet“, sagt ein Gemeinderat, der namentlich nicht genannt werden will, zur WZ. „Wenn wir es doch tun, müssen wir es halt irgendwie argumentieren und uns schönreden – etwa damit, dass auch andere Sportvereine davon profitieren.“
Wiener SPÖ-Politiker zitiert nach https://www.wienerzeitung.at/a/austria-wien-violettes-wunder-aus-steuergeld-
Wir fassen zusammen: Die Stadt Wien hilft der Austria, ein Fussballstadion zu bauen, kauft es ihr dann fertiggestellt ab und muss nun hoffen, dass die kriselnde Austria mit Sponsoringeinnahmen genügend Geld erwirtschaftet, um der Stadt Wien künftig eine Miete für das verstaatlichte Stadion zahlen zu können. Rapid und die Austria werden noch dazu mit einigen Millionen pro Jahr von den Unternehmen der Stadt Wien gesponsert. Der Ball muss schließlich in Wien weiter rollen, koste es den Steuerzahler was es wolle. So sieht offenbar Sozialdemokratie im 21. Jahrhundert auch aus: Millionen von Steuer-Euros für Fussballspiele. Wir wünschen allen Austrianern und Rapidlern ein herzliches „Freundschaft“!
Finanzielles
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Links & Quellen
https://wien.orf.at/v2/news/stories/2870354
https://www.derstandard.at/story/3000000248948/rettung-in-der-not-stadt-wien-kauft-austria-stadion
https://www.falter.at/zeitung/20240116/ich-werde-dir-dann-bescheid-geben
https://www.wienerzeitung.at/a/austria-wien-raus-aus-der-schuldenfalle
https://www.wienerzeitung.at/a/austria-wien-violettes-wunder-aus-steuergeld-
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